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Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen - 08.02.2014
29.05.2014, 10:13
Beitrag #1
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen - 08.02.2014
Elfriede Jelinek: Die Schutzbefohlenen - 08.02.2014

"Wie der Chor in der griechischen Tragödie und verwoben mit Texten aus den 'Schutzflehenden' von Aischylos treten in diesem Hörstück Asylsuchende als unsere Schutzbefohlenen vor. Sie erzählen ihre Geschichte, klagen an, trauern. Unter der Regie von Leonhard Koppelmann entstand ein Stück über Flucht, Vertreibung und die Gegenwehr der Satten. Ein beeindruckendes und beachtenswertes Hörspiel." (Jurybegründung zur Wahl auf Platz 1 der hr2-Hörbuch-Bestenliste Juni 2014) // Mit Jonas Minthe, Matthias Haase, Bettina Lieder, Christoph Jöde, Janina Sachau / Regie: Leonhard Koppelmann / BR/ORF 2014 / Länge: 79'42 "Wir sind gekommen, doch wir sind gar nicht da", sagt der Chor in Elfriede Jelineks Die Schutzbefohlenen. Anders in Jelineks Text: Hier meldet sich ein Chor aus Flüchtlingen und Asylsuchenden in einer lautstarken Litanei zu Wort und wird doch ungehört bleiben von den Angerufenen. Geschrieben als Reaktion auf jüngste Asylproteste in Wien, wo eine Gruppe von Flüchtlingen die Votivkirche besetzte, und später durch Zusatztexte zur Flüchtlingssituation auf Lampedusa erweitert, überführt Elfriede Jelinek in Die Schutzbefohlenen das Tagespolitische ins uralte Menschheitsdrama von Flucht und Abweisung: Die nur puzzleartig aufscheinenden aktuellen Ereignisse verweben sich mit anderen Texten und Diskursen, unter anderem mit Die Schutzflehenden des Aischylos. Aus den Schutzflehenden in der ältesten bekannten griechischen Tragödie werden aber vor dem Hintergrund von aufgeklärter westlicher Welt und vermeintlich allgemein gültigen humanistischen Werten die Schutzbefohlenen: also diejenigen, denen man verpflichtet ist, Schutz zu geben. Und es wird die Verweigerung dieses Schutzes nicht weniger als zum Verrat am Menschenrechtsgedanken selbst. Es ist nicht zuletzt die Entlarvung solchen Verrats, um den es im Chor der Schutzbefohlenen geht, in den sich auch andere Perspektiven mengen. In die Stimmen der Schutzsuchenden nisten sich die der Gegner und die von Ausnahmeerscheinungen, denen aus politischer Gefälligkeit oder einfach nur wegen ihrer Prominenz Sonderbehandlung zuteilwird.


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