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Dietmar Dath/Mareike Maage: Antilopenverlobung - 13.12.2013
06.05.2014, 16:26
Beitrag #1
Dietmar Dath/Mareike Maage: Antilopenverlobung - 13.12.2013
Dietmar Dath/Mareike Maage: Antilopenverlobung - 13.12.2013

Mit Cathleen Gawlich, Eva Verena Müller, Marc Hosemann, Andreas Grothgar, Frank Genser, Edda Fischer, Sigrid Burkholder, Jörg Hartmann und Stephanie Eidt / Realisation: Leonhard Koppelmann / BR 2013 / Länge: 65'06 // "Das Tier schaut uns an und wir stehen nackt vor ihm. Und vielleicht fängt das Denken an genau dieser Stelle an" konstatierte Jacques Derrida nicht nur für das Verhältnis zu seiner Katze, sondern für eine mögliche Beziehung zwischen Tier und Mensch, bei der der Blick des Tieres zum produktiven Spiegel für menschliche Selbsterkenntnis wird. Ein Vorgang, der Mut und Fähigkeit zum erwidernden Blick voraussetzt, aber nicht selbstverständlich ist, könnte der Mensch ja vor dem zurückschrecken, was er da im Spiegel erblickt. Jedenfalls kommen die beiden lesbischen Antilopen Mava und Nora zu diesem Schluss, als sie Torben Pfeiffer einen Abschiedsgruß mit nach Hause geben. Er ist zusammen mit seiner Kollegin Andrea Sturm von einer Stiftung beauftragt worden, das Forschungsprojekt der Panlinguistin Jutta Villinger zu begutachten, das darin besteht, die menschliche Sprache zur Grundlage der tierischen Kommunikation zu machen. Mit Hilfe eines neu entwickelten Computerprogramms haben die Tiere im von Jutta Villinger betreuten und von der Stiftung subventionierten Forschungspark zwar Worte gelernt, sie sprechen aber doch ihre jeweils eigene Sprache. Missverständnisse sind also unvermeidlich, vor allem die zwischen Mensch und Tier, weil es eben nicht reicht, dieselbe Sprache zu sprechen. Entgegen der Meinung von Jutta Villinger „alles lebt ein bisschen, und alles spricht ein bisschen, der Rest ist nur eine Frage der angemessenen Verstärker“, scheint Torben Pfeiffer, ein Kritiker des Projektes, längst zu wissen, dass man ohnehin nicht versteht, was man sich gegenseitig sagt, und dass erst einmal das Zuhören Forschungsaufgabe genug wäre. So hat sich auch die langjährige Mitarbeiterin Silke aus dem Projekt verabschiedet, weil sie es verurteilt, die Sprache als Machtinstrument und Mittel der Gefangennahme der Tiere zu gebrauchen. Die Antilopenverlobung zeigt auf sprachspielerische, unterhaltsame und politische Art ein Szenario, in dem das tierische Miteinander dem menschlichen ein Stück weit voraus ist. Am Ende, so scheint es, haben nämlich die beiden Antilopen Mava und Nora im liebenden Blick auf den Anderen und ganz unabhängig von irgendeinem sprachgestützten Ritus ihre Verlobung längst vollzogen.


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