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Carl Einstein: Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders (1/2) - 22.07.2012
31.01.2014, 21:43
Beitrag #1
Carl Einstein: Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders (1/2) - 22.07.2012
Carl Einstein: Bebuquin oder die Dilettanten des Wunders (1/2) - 22.07.2012

Es sind dilettantische Wunder-Sucher, die Carl Einstein in seinem 1912 gedruckten "Anti-Roman" versammelt. Ob im Café, im Bordell, im Zirkus oder im Kloster präsentieren die 19 Kapitel des Textes schlaglichtartig phantastische Szenen ohne klare Handlung oder eindeutige Charaktere. Vielmehr wird in einer energetischen Mischung aus Erzählung, Dialog, Lyrik, Pamphlet, Predigt oder Gebet die Überwindung von Vernunft, Gleichgewicht, Symmetrie und Einheit als Möglichkeit eines anderen Denkens und Befreiung der Empfindungen heraufbeschworen. Eine Idee, mit der sich Carl Einstein und die Künstlerkreise seiner Zeit vor der Folie einer Mechanisierung der Welt und des Verlustes spontaner Erfahrung identifizierten. Analog zur kubistischen Malerei provoziert der Text thematisch und formal andere Blicke auf die Welt, vermischt ohne Scheu zahlreiche Topoi aus Religion und Philosophie und rüttelt dabei auch an den Grenzen der Sprache: als explizite Sprachkritik, als Zitation oder Parodie naturwissenschaftlicher Diktion, religiöser Sprechformen, philosophischer Exkurse oder künstlerischer Traktate. Damit beeinflusste Einsteins Text Expressionisten und Dadaisten genauso, wie er für diese zur Reibungsfläche wurde. In der Hörspielproduktion des Bayerischen Rundfunks, die eine akustische Umsetzung des ungekürzten Erstdrucks von 1912 ist, erscheint das Sprachgeschehen der Vorlage als ein Pendeln zwischen zwei Stimmen, als zersetzende Dialogisierung, losgelöst von den ursprünglichen Dialogen, als lustvolle Inszenierung maßloser Gedankenspiele. / Mit Ingo Hülsmann, Sven Lehmann / Komposition: Daniel Dickmeis / Regie: Ulrich Gerhardt / BR 2012


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